Kirchenrenovierungen

Trotz bescheidener Mittel führte die Kirchgemeinde auch in der Zeit der DDR aufwendige Erneuerungsarbeiten an ihren Kirchen durch.

1953–1955 Dom St. Petri
(Aufstellung des niedrigen Gitters)
1952–1955 Taucherkirche
1975–1978 Maria-und-Martha-Kirche
1986 Domturm


2005 Dom

1. Vorbemerkung und Aufgabenstellung

Der Bautzener Dom zählt zu den herausragenden und besonders wertvollen Monumenten in unserer Denkmallandschaft. St. Petri ist neben weiteren eine unserer schönsten spätgotischen Hallenkirchen.
Abgesehen von seiner kulturhistorischen Bedeutung prägt der Dom aber auch das Bautzener Stadtbild wie kein anderer Bau und ist unverzichtbarer Baustein der vielschichtigen Funktionsstruktur des Stadtzentrums und darüber hinaus wichtiger Veranstaltungsort für die gesamte Region der Oberlausitz.
Seine ganz besondere Bedeutung hat der Dom aber noch einem anderen Umstand zu verdanken. Es handelt sich hier um das älteste Simultaneum in Deutschland. Seit über 450 Jahren nutzen, pflegen und erhalten hier katholische und evangelische Christen dieses Gotteshaus gemeinsam und stehen damit in einer besonderen Verantwortung.
Im November 2003 fand ein überregionales Kolloquium zur Vorbereitung einer nachhaltigen Instandsetzung des Domes statt. Damit wurde ein wichtiger Grundstein gelegt, um die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten mit der gebotenen Gründlichkeit und Fachkompetenz vorzubereiten. Es wurde der ausdrückliche Wille bekundet, sich gemeinschaftlich der besonderen Verantwortung für den Erhalt und die Pflege dieser Kirche zu stellen.
Zunächst mußte die Instandsetzung der Putzfassade und der Fenster in Angriff genommen werden, um damit auch die in den Jahren 1986-1989 bereits begonnene Instandsetzung im Bereich des Turmes und der Westfront fortzusetzen und zu vollenden.
Diese Arbeiten sind nun im vollen Gange. Neben der Erneuerung des Putzes erfolgt auch eine Erneuerung der Fensterverglasungen und Reparaturarbeiten an werksteinmäßig bearbeiteten Bauteilen aus Naturstein (Granit und Sandstein), im besonderen im Bereich der Strebepfeiler, der Rippen und Maßwerke der Fenster.
Mit den Arbeiten wurde im August 2005 begonnen. Der Abschluss dieses Bauabschnittes ist für den Herbst des Jahres 2006 geplant.
Die Gesamtkosten betragen 850 TEUR. Auch wenn ein beträchtlicher Teil dieser Kosten von den Simultaneumspartnern aufgebracht wird, wäre die Maßnahme ohne die Unterstützung von Bund, Land und Kommune im Rahmen des Programms „Städtebauliche Erneuerung im Freistaat Sachsen“ nicht zu bewältigen.

2. Bestandsaufnahme

Bereits anlässlich des Kolloquiums wurde eine Zusammenarbeit mit der TU Dresden und der BTU Cottbus vereinbart. Mit der Unterstützung dieser Universitäten erfolgte eine umfangreiche Bestandsaufnahme zum Bautzener Dom. Damit wurden die entsprechenden planerischen Grundlagen und Vorraussetzungen für die Durchführung dringend notwendiger Sanierungsmaßnahmen geschaffen.



3. Putz-/Mörteluntersuchungen und Probeachsen



Neben der Bestandsaufnahmen erfolgte zum frühest möglichen Zeitpunkt auch die Einbindung eines Putzgutachters und eines Institutes für labortechnische Untersuchungen zu den vorhandenen Putzen, Mörteln und Steinen des Mauerwerks.
Es kann davon ausgegangen werden, dass der Dom ursprünglich voll verputzt war (außer werksteinmäßig bearbeitete Granit- und Sandsteinpartien). Diese Putzschicht witterte über die Jahrhunderte ab, besonders die Partien über den im Mauerwerk verwendeten teilweise sehr mächtigen und flächigen Natursteinen. Der Putz wurde in den letzten ca. 150 Jahren mehrfach ausgebessert. Dabei wurden jeweils feste Partien belassen und immer mehr großformatige Steine kamen in den Wandpartien zum Vorschein und wurden unverputzt belassen. Nicht zuletzt durch die fortlaufende Verwitterung wirkt die Fassade des Domes trotz dieser verschiedenartigen und sehr bewegten Partien dennoch relativ flächig.
Zunächst war geplant, auch im Rahmen der jetzt laufenden Fassadensanierung in ähnlicher Weise vorzugehen, also lediglich lose Putzpartien zu entfernen und partiell zu reparieren.
Die Putzuntersuchungen in den beiden Probeachsen zeigten durchweg Putzbefunde aus einem Zeitraum später als 1800. Mittelalterliche oder gar ursprüngliche Putzpartien wurden nicht gefunden. Außerdem wurde festgestellt, dass weit mehr als 50% der Putz- und Fugenflächen lose und mürbe sind und dringend erneuert werden müssen. Die labortechnischen Untersuchungen zeigten zu dem einen hohen Versalzungsgrad der Putz- und oberen Fugenmörtelschichten an. Unter diesen Vorraussetzungen kam eine Reparatur der Putz- und Fugenflächen nicht mehr in Frage. Sämtliche Putz- und Fugenpartien wurden deshalb abgenommen.
Für den Neuverputz wurden vom Putzgutachter Probeflächen angelegt. Für den Oberputz wurde sich für den Einsatz einer Baustellenmischung entschieden unter Verwendung von Grubensanden aus der Bautzener Region.



4. Festlegungen und Vorgaben für die Durchführung


Die Probeachsen entsprachen genau den im Vorfeld mit allen Fachbeteiligten abgestimmten Vorgaben und waren auch handwerklich hervorragend umgesetzt.
Die Vertreter des Bauherrn und der Denkmal- pflege, der Architekt und der Putzgutachter sprachen sich deshalb dafür aus, dass alle Fenster eine geometrisch gerade Ausbildung einer Putzfasche zur steinsichtigen Fensterlaibung erhalten und
neben den Fensterlaibungen nur die Vorderseiten und Ecksteine der Strebepfeiler und weitere Architektur gliedernde Elemente wie Gesimse steinsichtig bleiben. Vorstehende, unregelmäßige Natursteine in der Fläche werden überputzt oder überschlämmt, sodass ein einheitlicheres und beruhigtes Erscheinungsbild entsteht
Mit diesen Vorgaben wurden die Hauptarbeiten an der Fassade ab Ende August 2005 mit dem Einrüsten der Südseite des Domes begonnen. Bis zum Spätherbst 2005 konnte der Altputz komplett entfernt und die Verfugungen einschließlich Unterputz aufgebracht werden. Über den Winter ruhen sämtliche Arbeiten. Der Oberputzauftrag auf der Südseite und die Instandsetzung der Fassadenflächen im Chorbereich und auf der Nordseite werden bis zum Herbst 2006 abgeschlossen.
Nachdem eine nochmalige Reparaturvariante aus technischen Gründen nicht mehr durchführbar war, wurde sich getreu den Zielen der Gesamtsanierung für eine nachhaltige Lösung entschieden. Auch wenn der neue Verputz die Aufgabe des lieb gewonnenen und gewohnten Bildes vom altehrwürdigen, verwitterten Dom bedeutet, wurde der Versuchung widerstanden, durch eine maniristische Art und Weise der Ausführung (siehe Probeachsen) einen allzu romantisierenden Zeitgeist zu bedienen.


Aufgestellt:
Architekt Christian Schaufel

Architekturbüro Schaufel
Valtenbergstraße 2 · 01326 Dresden
Tel. 03 51/2 68 46 30
Bautzen/Dresden im Februar 2006