Kreuz oder Hakenkreuz

Der im Juli 1933 gewählte Kirchenvorstand St. Petri war wesentlich von den Deutschen Christen dominiert, welche eine Synthese von Christentum und Nationalsozialismus anstrebten, eine Gemeinschaft von Kreuz und Hakenkreuz.

Das evangelische Jugendleben in Bautzen wurde 1934 in die Hitlerjugend eingegliedert. Die Kirchgemeinde übernahm das Vereinshaus des CVJM auf der Töpferstraße als Kirchgemeindehaus. Die Pfarrerschaft von St. Petri war gespalten. Den Deutschen Christen gehörten die Pfarrer Schneider (NSDAP-Mitglied bereits vor 1933) und Ludwig an. Die Pfarrer Große, Paul und Vogel hielten sich zur Bekennenden Kirche. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, vor allem zwischen Pfarrer Große und Pfarrer Schneider, der die Gottes-dienste dem Zeitgeist entsprechend zu "Deutschen Gottesfeiern" umgestaltete.
Nachdem Superintendent Berg im März 1937 Pfarrer Schneider im Dom öffentlich kritisiert hatte, beurlaubte das Landeskirchenamt den Superintendenten und versetzte ihn anschließend in den Ruhestand. Der Kirchenvorstand wählte Pfarrer Schneider zum Pastor primarius (Pfarramtsleiter), woraufhin er vom Landeskirchenamt 1939 als Superintendent eingesetzt wurde.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges verstärkte sich der totalitäre, antichristliche Charakter des Nationalsozialismus. In Bautzen durfte der Konfirmandenunterricht ab Ostern 1940 nicht mehr in den Schulen erteilt werden. Das Evangelische Kinderheim wurde 1941 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt unterstellt. 1942 mussten alle Glocken für Rüstungszwecke abgegeben werden, doch überdauerte das Geläut des Petridomes den Krieg.