Beginn der Säkularisierung

 

Die Anteilnahme am kirchlichen Leben erlahmte im Laufe des 20. Jahrhunderts wie in allen evangelischen Gebieten Deutschlands so auch in Bautzen.

Bereits in den zwanziger Jahren beschäftigte sich der Kirchenvorstand mit dem Problem der Säkularisierung, ohne eine schlüssige Antwort auf den Zerfall der Einheit von Kirchen- und Bürgergemeinde zu finden. Zwar gehörten 1920 nominell noch 90 % der Einwohner von Bautzen der Kirchgemeinde St. Petri an, doch nur ein geringer Teil beteiligte sich am kirchlichen Leben. Die Ursachen für den Rückgang der Gemeindegliederzahlen in den folgenden Jahrzehnten wird man nicht nur in den verschiedenen Weltanschauungsgrundlagen Deutschlands im Verlaufe des 20. Jahrhunderts finden können (freiheitlicher Säkularismus in der Weimarer Zeit, Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 und Sozialismus von 1945 bis 1989), auch wenn insbesondere die 40 Jahre DDR mit ihrem schleichenden Druck auf die junge Generation nicht ohne Wirkung blieben. Die Weltanschauungsdiktaturen verstärkten nur das, was in den geistlichen Entscheidungen des 18. Jahrhunderts zu Grunde gelegt worden war. Zwar waren die Kirchen in Bautzen wegen des Bevölkerungszuwachses immer noch gut gefüllt, besser als zum Beispiel in den anderen Oberlausitzer Städten. Dies hing wesentlich mit dem Zuzug aus den sorbischen Dörfern des Umlandes von Bautzen und der damit einströmenden konservativen Kirchlichkeit zusammen.