Erneuerung im 19. Jahrhundert

Die Revolution von 1848 änderte die Bautzener Kirchenverfassung insofern, als dass eine aufgebrachte Bürgerschar unter Leitung des Advokaten Tzschirner das Domstift nötigte, das Kirchenschiff der Petrikirche eigentumsmäßig an den Stadtrat abzutreten.

1869 löste sich die evangelische Kirche in Sachsen vor der bisherigen Verwaltung durch die Staatsbehörden. Für Bautzen bedeutete dies, dass die Kirchgemeinde St. Petri nicht mehr durch den Stadtrat, sondern durch einen Kirchenvorstand verwaltet wurde. Dieser übernahm von der Stadt die kirchlichen Immobilien, und zwar den evangelischen Anteil der Petrikirche, den Taucherfriedhof mit Taucherkirche, den Gottesacker zum Heiligen Geist und die Pfarrhäuser Schloßstraße 6 und 8. Es entwickelte sich ein Vereinsprotestantismus (1861 Jünglingsverein innerhalb des Christlichen Vereins junger Männer, danach Vereine für Innere und Äußere Mission, Gustav-Adolf-Verein, Jungmädchenverein und Bibelverbreitung). 1904 wurde die Landesstrafanstalt mit eigener Kirche und einer selbständigen Anstaltsgemeinde eröffnet. 1913 gründete Pfarrer Große das Evangelische Kinderheim, welches noch heute als Evangelischer KinderGarten besteht. Daneben entstanden dem evangelischen Lager zuzurechnende Gruppen und Gemeinschaften, wie 1871 die Katholisch-Apostolische Gemeinde oder 1905 die Landeskirchliche Gemeinschaft. Höhepunkte des Gemeindelebens waren die Einweihung der neuen Maria-und-Martha-Kirche am 1. Advent 1891 und die Vollendung der Domrenovierung mit dem Einbau der großen Eule-Orgel 1910. Dem Aufschwung des kirchlichen Lebens am Ende des 19. Jahrhunderts war jedoch kein bleibender Erfolg beschieden.