Bautzen wird evangelisch

Die Reformation in Bautzen begann mit einer antipäpstlichen Demonstration zum Sommerfest 1522. Im folgenden Jahr predigte Michael Arnold, der wegen seiner Radikalität aus Görlitz ausgewiesen worden war, in der Petrikirche nach der Lehre Luthers. Schon bald wandte sich die übergroße Mehrheit der Bürgerschaft der evangelischen Richtung zu, jedoch blieb das Kollegiatstift der katholischen Kirche treu. 1530 einigte sich der Stadtrat mit dem Stift als dem Eigentümer der Kirche über die Abhaltung der evangelischen Predigten im Hauptschiff der Petrikirche. 1543 und 1583 wurde das Simultaneum, die gemeinsame Nutzung der Kirche bei räumlicher und zeitlicher Trennung der Gottesdienste, vertraglich festgeschrieben. Erst am Ende des 16. Jahrhunderts erstritten sich die Evangelischen das Recht zu eigenen Taufen und Abendmahlsfeiern.
Der Stadtrat führte den Ausbau der Bildungs- und Sozialeinrichtungen weiter. Bereits 1527 gründete er die evangelische Ratsschule, das spätere Gymnasium. 1587 wurde das Hospital zum Taucher erbaut. Für die Begräbnisse auf dem Taucherfriedhof errichtete der Rat 1598/99 die Taucherkirche vor den Toren der Stadt. 1619 erlaubten die böhmischen Landstände, die Kirche St. Michael als Gemeindekirche für die evangelischen Sorben im Umland von Bautzen zu nutzen. So entstand die bis heute gültige Aufteilung der evangelischen Kirchgemeinden in Bautzen: Das Stadtgebiet gehört zu St. Petri, das Umland mit mehr als 30 Dörfern zu St. Michael.