Das Kloster entsteht

Bald entstand den sogenannten „Weltpriestern“ des Kollegiatstiftes eine Konkurrenz, denn möglicherweise seit 1225, spätestens ab 1240 wirkten die Franziskaner in Bautzen. Ihre Kirche und die Klosteranlage befanden sich im Burgbezirk, und somit außerhalb des Einflussgebietes von Stadt und Stift. Im Laufe der kommenden Jahrhunderte bauten die Mönche ihre wirtschaftliche Stellung aus. Der Heringshandel, welcher für die Fleischversorgung in der Fastenzeit wichtig war, wurde von einem Laden in der heutigen Heringstraße aus betrieben. Ein großes Waldstück südlich von Bautzen diente der Holzversorgung: es entstand das Dorf Mönchswalde unterhalb des Mönchswalder Berges. Die Konkurrenz von Mönchen und Weltpriestern beflügelte den Ausbau der kirchlichen Strukturen. Neben der Petrikirche entstanden weitere Gotteshäuser in der Vorstadt. Strittig ist bis heute, ob die Nikolaikirche oder die Liebfrauenkirche die alte Kaufmannskirche und somit das ältere Gotteshaus ist. Als Dank für den Sieg über die Hussiten 1429 wurde die Michaeliskirche (zunächst als Kapelle, um 1500 erweitert) errichtet. Die Kapelle St. Georg für den Burgbereich wurde 1486 in den Matthiasturm verlegt. Die Stadt- und Stiftskirche St. Petri als das Zentrum des geistlichen Lebens wurde immer wieder um- und ausgebaut. Fromme Handwerker fanden sich in der Marienbruderschaft zusammen und errichteten 1464 für ihre Andachten das Südschiff der Petrikirche, welche dadurch zu einer der seltenen vierschiffigen Kirchen wurde.