Der Dom St. Petri


Unmittelbar nach der Errichtung der deutschen Herrschaft in der Oberlausitz wurde in Bautzen die Petrikirche errichtet. Sie diente zugleich als Stifts-kirche des Kollegiatkapitels St. Petri. Seit 1523 werden evangelische Gottesdienste im Dom gefeiert, jedoch konnte auch das Domstift, welches bei der katholischen Konfession blieb, seine Stellung halten. Der Stadtrat als Vertreter der evan- gelischen Gemeinde und das Domstift schlossen 1543 einen ersten Vertrag, durch welchen das Miteinander der beiden Konfessionen in einer Kirche geregelt wurde. Weitere Verträge folgten. Der Domteil östlich des Lettnergitters wurde weiterhin vom Domstift und der kleinen katholischen Gemeinde genutzt, der Westteil wurde den Evangelischen zur Verfügung gestellt. Auch die zeitliche Trennung der Gottesdienst wurde vertraglichfestgelegt. 1848/51 trat das Domstift den evangelischen Domteil eigentumsmäßig an den Stadtrat ab, wodurch das Gitter zur Grundstücksgrenze wurde. Die Domverträge sind auch heute noch gültig und bilden die rechtliche Grundlage für das Simultaneum im Bautzener Dom St. Petri.




Der Südaltar im Dom


Nach dem 30jährigen Krieg entwickelte sich das Gemeindeleben der evangelischen St. Petri-Gemeinde auf eine bisher kaum erreichte Höhe.

Das geistliche Zentrum war der 1644 gestiftete große Abendmahlsaltar, gefertigt von einem unbekannten Zittauer Künstler. An der Rückseite befand sich seit dem Jahre 1700 ein Opferkasten, mit dessen Erträgen das Bautzener Waisenhaus bis 1922 unterstützt wurde. Auch die drei Spitäler Zum Heiligen Geist, Maria-und-Martha und Zum Taucher wurden finanziell und geistlich unterstützt. Der in Wort und Sakrament wurzelnden Frömmigkeit entsprossen Taten sozialer Liebe. Kunstwerke des evangelischen Domteils bezeugen die gläubige Bürgergesinnung: Bilder von Matthäus Crocinus, Leuchter von Gregorius Mättig und Abendmahlsgeräte, gestiftet von mehreren Bautzener Bürgern. Der Dom war auch Wirkungsstätte des Stadtmusikers Johann Pezelius (1639–1694), dessen Bläsermusik noch heute aufgeführt wird...

Ökumene


Das Zusammenleben in einem Gotteshaus braucht seit Jahrhunderten genaue Absprachen und gute Zusammenarbeit. Das Gitter, welches den evangelischen und den katholischen Teil trennt, ist seit 1954 nur noch einen Meter hoch.

Zunehmend gehen beide Konfessionen aufeinander zu. Das ökumenische Martinsfest ist seit Jahrzehnten die größte Veranstaltung für Kinder in der Stadt. Im Juli 2007 wurde von den beiden Gemeinden das erste ökumenische Gemeindefest vor dem Dom gefeiert.

Dazu kommen jährlich gemeinsame Gottesdienste (Buß - und Bettag, Altjahresabend) und Seminare sowie mehrere gemeinsame Beratungen der Pfarrer und der Vorstände.